Britisches Dampfbad mit Skinny Lister

Am 29.05.2016 sorgten die Shanty Punks Skinny Lister im Molotow vor ausverkauftem Haus für eine Hitzeschlacht. Bei Dampfbadfeeling feierten Band und Publikum bis zur völligen Erschöpfung. Als Support spielte North Alone.

 

North Alone nicht ganz alleine

Als North Alone die ersten Akkorde mit seinem Mitstreiter an der Fiedel spielte, strömten schnell viele Gäste, die im Hinterhof den lauen Sommerabend genossen, in den Laden, um zu sehen und zu hören, was der Osnabrücker denn so macht. Leider hat er immer noch dieselben Songs im Gepäck, die auf seinem aktuellen Album zu finden sind, welches ich letztes Jahr rezensiert habe. Immerhin kann man sagen, dass der Sound live und ohne Band wesentlich aufgeräumter als auf der CD daher kam. Da die Songs an sich jedoch dieselben waren, wollte der Funke beim Hamburger Publikum nicht wirklich überspringen. Nach kurzer Zeit zogen sich viele Besucher wieder in den Hinterhof zurück, um dort auf den Hauptact des Abends zu warten.

 

Skinny Lister machten Stimmung

Ganz im Gegenteil zum Supportact, wussten Skinny Lister von der ersten Sekunde an zu begeistern und das Stimmungsbarometer platzte innerhalb von Sekunden. Mit ihren Shantys, einer Prise Punk und einem mit Rum gefüllten Tonkrug ließen die Londoner die Temperatur im Molotow steigen. Und sie hörte nicht auf zu steigen. Bald beschlugen die Scheiben, der Schweiß tropfte von der Decke und die Luftfeuchtigkeit fühlte sich an, wie im Tropenhaus. Nur nasser. Alle Beteiligten genossen die Show, die Hitze, das Singen, das Schwitzen, das Springen und das Tanzen.

 

Das Publikum war der Höhepunkt der Show

Es ging im wahrsten Sinne des Wortes heiß her. Als Michael Camino seine übliche Crowdsurfingeinlage inklusive Kontrabass im niedrigen Molotow ziemlich nah an der Decke vollzog, schlug er beinahe die Diskokugel herunter, während Sängerin Lorna immer wieder kurz von der Bühne huschte, für Getränkenachschub sorgte und sich selbst ein wenig Frischluft gönnte. Das war mit ziemlicher Sicherheit eine der anstrengendsten Shows der gesamten Tour für die Band. Wahrscheinlich aber auch eine der Besten, denn den emotionalen Höhepunkt der Show lieferten nicht Skinny Lister selbst. Sowohl der neue Song „Hamburg Drunk“, als der Moment, als die halbe Band mitten im Publikum rockte, haben das Publikum absolut begeistert. Wie könnten die Hamburger auch widerstehen, wenn ihnen eine Band wie Skinny Lister einen eigenen Song widmet? Aber nichts konnte so viel Euphorie wecken, wie das Ende der Show. Skinny Lister hatten bereits die Zugabe gespielt, da lief ihnen das Publikum unerwartet in Sachen Energie den Rang ab. Denn die ausgepowerten und durchgeweichten Zuschauer sangen einfach stur eine gefühlte Ewigkeit lang weiter, bis die Band sich doch noch einmal aus dem Backstagebereich des Ladens schleppte. Die Fans wurden für ihre Sangeskünste mit zwei weiteren Songs belohnt. Schließlich schickte Bassist Michael seinen Kontrabass alleine auf die Reise zum Crowdsurfen, um auch noch das letzte bisschen Kraft der ekstatischen Fans zu verbrauchen, die das nicht ganz handliche Instrument noch Minuten lang durch den Saal trugen.

Sie werden wieder kommen um ihr bald kommendes Album vorzustellen. Ein paar Songs durften wir schon Live genießen. Wer es nicht erwarten kann und noch keinen Longplayer dieser Partyband sein eigen nennt, kann ja mal reinhören. Down on Deptford Broadway* ist ein sehr liebevoll gemachtes Stück Musik, das sehr viel Spaß bringt.

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