Die Dritte Wahl – Geblitzdingst

Vor einigen Tagen flatterte die Nachricht herein, dass das neue Album „Geblitzdingst“ der „Dritten Wahl“ endlich das Licht der Welt erblickt hat. Monate vorher hatten die Jungs schon fleißig erheiternde Bilder und Nachrichten aus dem Studio in allen Sozialen Netzwerken verbreitet und hatten damit schon kräftig für Vorfreude gesorgt.

Wer die „Dritte Wahl“ kennt, weiß was ihn erwartet. Knüppelharter, kompromissloser Punkrock und Texte bei denen kein Blatt vor den Mund genommen wird. Und dennoch wissen die Rostocker zu überraschen.

Seit dem Tag an dem ich Gunnar und Co. zum ersten Mal über den Weg gelaufen bin sind einige Jahre ins Land gegangen und einiges hat sich verändert. Damals hatte die Band gerade den Neustart gewagt und ich spielte mit meiner Ramones Cover Band als Support in einem kleinen Jugendzentrum in Heidenheim. Während des Gigs ging es dermaßen zur Sache, dass es einen Boxenturm umgehauen hatte und dieser glücklicherweise Richtung Wand gekippt war und wir nachdem er wieder da stand, wo er hin gehörte das Ding mit Mann und Maus verteidigen mussten.

Seit dem hat sich die Welt weiter gedreht und auch an der Dritten Wahl gehen die Jahre nicht spurlos vorbei. Was auf keinen Fall bedeutet, dass sie alt und müde geworden sind. Ganz im Gegenteil. Sie haben sich weiterentwickelt, musikalisch wie auch inhaltlich. Sie sind immer noch Gesellschaftskritisch, sie sind immer noch laut und auch immer noch frisch.
Ich saß gerade im Bus Richtung Berlin als ich endlich die Muße und die Zeit hatte mir die Scheibe zu Gemüte zu führen und was mir da aus meinen Kopfhörer entgegen schallte rüttelte mich kräftig wach. In Null Komma nix war ich mitten in den Songs. Von Punk bis Metal und von Pop bis Schlager ist eigentlich alles dabei. Intelligent mit einander verwoben und nie belanglos.

Die drei ersten Songs „Der Spiegel“, „Geblitzdingst“ und „Stillstehen“ sind packten mich ein und nahmen mich einfach mit. Die clever eingesetzten Synthiepassagen fügen sich perfekt in knallharten Gitarrenwände ein. Eine Freude diese Musik zu hören. Die Texte sind eingängig, intelligent und messerscharf. Von gesellschaftskritischen Texten bis hin zu Songs über die Selbstzweifel, die einen überfallen, wenn man älter wird oder übers Sterben („Der Schatten“ ist einfach grandios) bis hin zum wütend heraus gerotzen „F. D. S“ und dem brutalen Antikriegssong „Teufel & Dämonen“ ist wirklich alles dabei.

Für mich hat die „Dritte Wahl“ mit dem Album „Geblitzdingst“ schon einen klaren Anwärter für das Album des Jahres geliefert. Hätte ich mehr als zwei Daumen würde ich diese auch noch hochhalten.

DritteWahlGeblitzdingstCover