RnRB: Interview mit Elke von der Seehundstation

Ramona: Hallo Elke, erst einmal danke, dass ihr euch Zeit für uns nehmt. Wir freuen uns schon seit Tagen auf den Besuch hier! 

Die Themen Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und Umweltschutz sind ja wahnsinnig komplex. Aber vielleicht magst du uns ein wenig Grundlegendes zu eurer Arbeit in der Seehundstation Nationalpark-Haus erzählen. Wie kommt es beispielsweise überhaupt dazu, dass ein junger Seehund zu einem Heuler wird, der bei euch aufgezogen werden muss?

Elke: Dass ein Junges von seiner Mutter getrennt wird, kann unterschiedliche Ursachen haben. Ein maßgeblicher Faktor ist die Witterung, z. B. starke Sommerstürme, der andere sind leider wir Menschen, indem wir die Aufzucht des Jungtieres durch die Mutter stören!

In der Geburtenzeit, maßgeblich im Juni, werden die Jungen auf den Sandbänken geboren und gesäugt. Wenn sich dann Bootsfahrer, Wassersportler etc. den Tieren nähern, verunsichert das die Mutter und sie dreht sich von der Seite auf den Bauch, um die Umgebung im Auge behalten zu können. Das Junge kann dann natürlich nicht weiter trinken.

Wenn die Mutter sehr verunsichert ist, flüchtet sie zudem ins Wasser. Ihr Junges folgt ihr und verbraucht dabei noch zusätzliche Energie. Häufig gestörte Seehundjunge sind daher schwächer und kleiner als ungestört aufwachsende Jungtiere. Sie bekommen weniger Nahrung und müssen sich häufiger anstrengen. Im schlimmsten Fall sind die Jungen dann irgendwann so geschwächt, dass sie zum Beispiel durch Sturm oder starke Strömungen, abgetrieben werden.

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Ramona: Und wie findet so ein verwaister Heuler seinen Weg zu euch nach Norddeich?

Elke: Wenn uns ein Anruf erreicht, dass am Badestrand oder am Festlandsdeich ein Seehund gefunden wurde, sagen wir einem unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter Bescheid. Wir betreuen den gesamten niedersächsischen Küstenbereich mit den vorgelagerten Inseln. Dort sind überall ehrenamtliche Mitarbeiter im Einsatz, meist Wattenjagdaufseher, die wir dann benachrichtigen und die zum Fundort fahren, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Nicht jedes gemeldete Tier ist sofort hilfebedürftig und der Wattenjagdaufseher entscheidet vor Ort. Kommt er zu dem Schluss, dass es sich um einen Heuler handelt und dieser Hilfe benötigt, fängt er ihn ein und bringt ihn zu uns. Von den Inseln erreichen uns die Tiere meist mit der Fähre oder mit dem Flugzeug, vom Festland mit dem Auto.

In den folgenden Wochen wird das Tier hier versorgt, bis es kräftig genug ist, alleine zu überleben. Das alles kostet natürlich nicht nur viel Zeit und Fisch, sondern auch Geld, obwohl wir zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter haben. Eine große Hilfe sind außerdem die Praktikanten und Absolventen des Bundesfreiwilligendienstes sowie des Freiwilligen Ökologischen Jahres, die uns in der Tierpflege bzw. in der Umweltbildung unterstützen.

Ramona: Was können wir Piraten denn außerhalb der Butterfahrt-Zeit tun, wenn wir eure Arbeit unterstützen möchten?

Elke: Da habt ihr natürlich verschiedene Möglichkeiten. Die Patenschaften sind euch ja bestens bekannt. Aber schon allein ein Besuch hier bei uns in der Einrichtung ist ein ganz, ganz wichtiger Beitrag. Wir finanzieren uns zu 97 % aus Spenden und Eintrittsgeldern.

Wenn man dann aber sagt, man möchte mehr tun, gibt es noch den Freundeskreis der Seehundstation Nationalpark-Haus. Für 5 € Mindestbeitrag im Monat bekommt ihr freien Eintritt in die Station sowie das Waloseum, eine Mitgliedskarte und regelmäßig die „Heuler Post“, unseren Newsletter. Jedem Freundeskreismitglied wird zudem eine Spendenbescheinigung ausgestellt. Unser Verein zur Erforschung und Erhaltung des Seehundes e.V. ist gemeinnützig anerkannt und wir freuen uns auch über einmalige Spenden sehr.

Ramona: Eine Frage habe ich zum Abschluss noch. Dieses Jahr heißen die Paten-Heuler der Rock ’n‘ Roll Butterfahrt Hotte und Sandwalze. Was waren denn die verrücktesten Namen, die dir hier bisher untergekommen sind?

Elke (lacht): Also Sandwalze war schon so ein Name, wo ich zwei Mal hingucken musste, als ich ihn gelesen habe. Den fand ich schon gut. Bisher waren die Namen – zumindest in den zwei Jahren, die ich hier schon arbeite – meist weniger ausgefallen. Dieses Jahr haben wir aber auch noch einen Rollmops in der Station. Die Sandwalze robbt also in guter Gesellschaft herum.

Ramona: Vielen Dank für deine Zeit, Elke. Kevin ist gerade schon mit Tim bei den Heulern und darf das Wiegen fotografieren. Ich schaue mich dann am besten noch etwas in der Ausstellung um.

Elke: Sehr gerne. Wir sehen uns dann gleich bei der Fütterung wieder.

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