Rock ’n‘ Roll Butterfahrt 7.0 Tag 3

Der 3. und auch letzte Tag der Butterfahrt begann kalt und nass. Er blieb auch kalt. Obwohl die Sonne sich pünktlich zum ersten Konzert wieder durch die Wolken gekämpft hatte, war es doch sehr zugig und Gesäßkalt. Aber was ein echter Kaperfahrer ist trinkt halt einfach einen ordentlichen Grogg und dann tut das schon gehen, näch?

Ich war sehr erfreut, als ich einen alten Kollegen aus Osnabrück am Backstage Bereich traf. Der gute „Tex Morton“ war mit einer seiner Kapellen am Start. Ein sehr junges Projekt. „The Devil ’n‘ us“ spielen rumpeligen Psychobilly. Stilecht und kompromisslos. Es hatten sich leider noch nicht viele Butterfahrer vor der Bühne versammelt. Um 17 Uhr hatten wohl noch nicht alle die Party vom Vorabend wieder aus den Knochen geschüttelt. Die Anwesenden beglückten jedoch die großartig aufspielende Band mit Tanzeinlagen und mächtigem Jubel. Wenige Piraten können eben auch laut sein.
Als Zugabe spielten die Jungs noch einen Song mit dem diesjährigen Publikumsliebling Elvis Pummel. Der sich auch mit Band im Rücken als äußerst unterhaltend erwies. Allerdings war er mittlerweile doch ein wenig heiser. Lag wohl an dem Bad im Meer vom Vortag.
Die Butterfahrt hatte noch mehr Veteranen zu bieten. „Kapelle Vorwärts“ sind zwar erst seit 2008 gemeinsam unterwegs bestehen aber aus Mitgliedern der Commandantes, die für ihre sozialistische Ader und Songs über den Widerstand bekannt waren. Davon hat die „Kapelle Vorwärts“ sich einiges bewahrt und spielten bei frostigen 4 Grad traditionelle Protest-, Widerstands- und Freiheitslieder im Punk- und Skagewand. Was ich persönlich sehr sympathisch fand, war die Tatsache dass sich die Band nicht übermäßig ernst dabei nahm. Andere Bands wäre schnell zu einer peinlichen Nummer verkommen, während wir köstlich amüsiert wurden.
Noch schnell einen ordentlichen Glühwein hinter die Binde gekippt und dann zu einem doch recht spontanen Programmpunkt.
Die Rock ‚N‘ Roll Butterfahrt steht ja nicht nur für DIY und Punk. Man ist sich ja auch der Verantwortung gegenüber des Naturschutzgebietes bewusst. Und das geht weit über die Organisatoren hinaus. Fabsi erzählte uns, dass tatsächlich eine Robbe namens „Fabsi“ in der Aufzuchtstation aufgepeppelt und in die Freiheit entlassen wurde. Ihm wurde diese Robbe sozusagen „geschenkt“. Also die Patenschaft. So ein Spaß kostet 500€ und ist eine schöne Sache. Also wurde kurzerhand beschlossen Spenden für ein Robbenpärchen zu sammeln. Damit die ganz viele kleine „Fabsis“ machen können. Hierfür wurden kurzer Hand sämtliche Werbebanner der Sponsoren und noch so einiges anderes versteigert. Alle Butterfahrer gaben gerne eine Kleinigkeit für die Robben und Captain Fabsi selbst natürlich den Löwenanteil.
Weiter ging es dann mit Rock n Roll der Extraklasse. „A Pony Named Olga“ gallopierte über die Bühne. Groovig und spaßig. Rockabillyfeeling am Strand. Voll geil! Es wurde getanzt und gesungen, der Bassist balancierte auf seinem Kontrabass, während die jüngsten Gäste neben der Bühne eine Sandburg bauten. Nach 1 Stunde Rock nRoll, der trotz der Temperaturen schweißtreibend war, wurden dann endlich die Sieger des Piraten Fünfkampfes gekürt. Unter dem Johlen der Piraten und den bissigen Kommentaren von Captain Fabsi gab es 3 Trophäen. Der 3. Platz ging an das Team Punkfred, den 2. Platz belegte das Team Robben Poppen aus Neuss und vollkommen schmerzbefreit kam das Team Hase auf den 1. Platz. Wobei Hase (ein Dauergast und Vereinsmitgied) die härtesten Diszplinen alleine gemeistert hatte. Schmerzbefreit eben.
Nach der Siegerehrung kamen dann ein paar Rentner auf die Bühne. Die „Emils“ aus Hamburg. Eigentlich schon seit längerem in „Punkrock-Rente“ gewesen, haben sie die Neuauflage einiger alter Alben zum Anlass genommen, sich wieder zusammen auf die Bühne zu stellen. Und das war definitiv eine sehr gute Entscheidung. Bei dieser Band hat sich wohl eine Menge Energie im Rentendasein angestaut. Das war Oldschoolpunkrock. Der Sänger sprang über die Bühne, wie eine Sprungfeder und schrie seine Texte ins Publikum als wäre er Mitte 20 und frisch dabei.
Derweil fielen die Außentemperaturen auf unentspannte 2° C und der mittlerweile vollkommen heisere Fabsi kündigte die letzte Band an. Die „Dödelsäcke“. Wie der Name uns erahnen lässt gibt es wieder Musik mit Dudelsack Unterstützung. Eine gekonnte Mischung aus Punk, Folk und Ska. Was besonders lustig war, alle Bandmitglieder standen im Kilt auf der Bühne. Was sie wohl dazu veranlasste noch härter zu rocken, als geplant, um warm zu werden. Es war wirklich bitter kalt. Einige Butterfahrer hatten sich schon in ihre Kojen verkrochen, der Großteil aber hielt tapfer durch und das Pogen wurde kurzer Hand zum Gruppenkuscheln mit Schubsen umfunktioniert. Das Praktische mit dem Spaßigen verbinden. Gute Sache. Mir waren die Finger mittlerweile an der Kamera festgefroren und so beschloss ich meine durchgefrorenen Knochen gen Insel zu bewegen um die Bilder für den nächsten Tag aufzubereiten.

Mein Fazit zur Rock ’n‘ Roll Butterfahrt ist, dass ich auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder dabei sein werde. So wie wahrscheinlich 700 andere Butterfahrer auch. Ob es stürmt oder schneit. Dagegen kann man sich anziehen. Solange die Dünenfähre uns zum Festival bringt passt das schon.

Vielen Dank an alle beteiligten, allen voran Finn, dessen Wunsch nach einer Dokumentation das alles erst möglich gemacht hat. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr. Ich werde alte Freunde und Bekannte wieder treffen, die ich in diesem Jahr zum Teil erst kennengelernt habe und neue Bekanntschaften machen.

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