Rock ’n‘ Roll Butterfahrt 8.0 – Tag 2

Das war ja mal ein Tag. Um 4 in der Koje gewesen, um 6 aufgewacht und den gestrigen Bericht geschrieben, nur um danach schnell zu Frühstücken und dann direkt rüber zur Düne, um weiter zu machen. Irgendwie ist das bekloppt. Macht aber Spaß.

Um 13 Uhr wurde das Festivalgelände für alle Inselbesucher und Neugierige geöffnet. Der berühmt berüchtigte Piraten 5-Kampf stand auf dem Programm. Bunt zusammengewürfelte Teams kämpfen um die Krone! Aus 5 Disziplinen wurden ausnahmsweise 4 gemacht, weil das Holzbeinlaufen sich dann doch im Sand verlaufen hatte. Eine kleine abgesperrte Arena vor der Bühne war für diesen Wettkampf abgesteckt.
Bei gleißendem Sonnenschein ging es mit der Schatzsuche los. Die Piraten mussten mit bloßen Händen im Sand nach vergrabenen Bierdosen buddeln und diese in Rekordzeit austrinken. Klingt bekloppt, ist es auch. Captain Fabsi saß derweil entspannt in seinem Liegestuhl auf der Bühne, futterte ein lecker Stück Kuchen aus dem Rock ’n‘ Roll Dünen Restaurant und kommentierte die Geschehnisse in seiner unnachahmlichen Art und Weise.
Als zweites mussten die Kontrahenten eine Piratenburg bauen. Also einen Spaten, der senkrecht in den Sand gerammt wurde komplett mit Sand bedecken. Spaßiger Weise traf Crewmitglied Tim beim ersten Spatenstich noch eine von der Schatzsuche übrig gebliebene Bierdose, welche sich dann auch direkt mit einer kleinen Bierfontäne bei ihm revanchierte. Jeden Falls ist es nicht so einfach, wie man denkt. Die Zeiten schwankten zwischen 10 Sekunden und 3 Minuten.
Die 3. Disziplin war die Königsdisziplin. Lebertranwetttrinken. Jedes Team musste einen Champion stellen, der so schnell es geht 3 Glas Lebertran und 3 Glas Rum in seinen Schlund kippte. Hierbei wurden die unterschiedlichsten Taktiken angewand. Eine meiner Favoriten kam aus dem Mädelsteam. Die Dame hatte sich kurzer Hand eine mitgebrachte Flagge geschnappt und sich das Ding als Lätzchen umgebunden. Hat nicht geholfen, sah aber großartig aus. Ich kannte diesen Spaß ja schon aus dem Vorjahr und einige Teilnehmer hatten ganz offensichtlich trainiert. Die meisten Zeiten lagen zwischen 8,5 und 15 Sekunden. Ungeschlagener Großmeister ist jedoch „Punkfred“, der mit Abstand älteste Pirat an Bord. Mit seinen 72 Jahren ist er Rekordhalter seit vielen Jahren. In unfassbaren 7,4 Sekunden hatte er damals das fiese Gesöff runtergeschluckt. Diese Marke wollte er gestern schlagen. Am Ende fehlten nur 2 Zehntel.
Zu guter letzt gab es noch eine kleine Überraschung mit der auch Captain Fabsi nicht gerechnet hatte. Das gefürchtete Surströmming …
Vor zwei Jahren hatte dieses Zeugs schon für Aufregung gesorgt. Legenden über eine gewaltige Fischexplosion mit einer 4 Meter hohen Fisch Fontaine machten die Runde. Jedes Team schickte einen vollkommen schmerzbefreiten Piraten an den Tisch. Die Dose wurde geöffnet und sofort schlug uns allen ein unglaubliches Aroma entgegen. Ich versuche es mal vorsichtig zu beschreiben. Ein bis oben zugeschissenes Dixiklo ist harmlos dagegen.  Jeder der Teilnehmer musste ein Stück dieses vergorenen Fisches runterwürgen. Die Reste wurden so schnell es ging in einen Müllsack gesteckt und entsorgt und wahrscheinlich in irgendein Endlager gesteckt. Auch Elvis Pummel, dem ja wirklich keine Peinlichkeit zu peinlich ist verschlang noch vor seinem Auftritt ein Stück von diesem Zeug. Sein Kommentar klang ungefähr so: „Das Zeug schmeckt genauso, wie man sich den Geschmack von Scheiße vorstellt!“

Kleiner Insider am Rande, der „Punkerkartoffel“ aus St. Pauli geht es übrigens gut, auch wenn er völlig besoffen war und es wahrscheinlich auch nächste Woche noch sein wird.

Inzwischen war es richtig warm auf der Düne und die Stimmung bestens. So allmählich fanden sich immer mehr Piraten vor der Bühne ein um die Bands zu feiern. Als erster Künstler stand Elvis Pummel auf dem Programm. Der Junge ist wirklich vollkommen verrückt und seine Elvis Karikatur ist mittlerweile legendär und ein riesen Spaß. Unbeschreiblich und bekloppt!Elvis Pummel gibt es auch fürs Wohnzimmer. „Recalled to Be Executed“ könnt ihr hier erstehen.

Kurz darauf betraten die Ritchies die Bühne und beglückten das Publikum mit ihren tollen Ramones lastigem Sound. Um mich herum waren lauter leicht seelig aussehende Butterfahrer, die fröhlich der Musik zuhörten und tanzten. Ein Rundum gelungener Auftritt! Leider konnte ich tatsächlich keinen Tonträger der Ritchies für euch auftreiben. Aber schaut mal auf deren Homepage vorbei.

Nach den Ritchies kam eine Band, die ich persönlich nicht so richtig verstanden habe. Aber bei einem Punkfestival gehört auch dazu die Qualitätsansprüche ein wenig im Zaum zu halten. Ich hatte ein wenig den Eindruck, dass bei Artless jeder Musiker die Songs in einer anderen Reihenfolge spielte. Aber eigentlich passte es auch prima. Ein bisschen lärmig und spaßig. Am Ende zählt das Publikum und der Applaus. Beides blieb nicht aus und war natürlich auch verdient. Ich muss ja nun auch nicht alles mögen. Wer sich mit „Artless“ ein wenig näher beschäftigen möchte findet hier auf jeden Fall die passende CD. Ich glaube es lohnt sich da auch mal genauer hinzu hören.

Dann gab es ein musikalische Highlight. Die Argies feuerten salvenweise argentinischen Gute Laune Punkrock ab, während langsam die Sonne unterging. Energiegeladen und mit breitem Grinsen im Gesicht wurde die Masse zum Pogen gebracht. Ruckzuck entwickelte sich eine komplett verquirlte Menschenmasse vor der Bühne. Es wurde ausgelassen gesungen, getanzt, geschubst und getrunken. Lieber Fabsi, das war ein Volltreffer! CDs gibt es von diesen Jungs auf deren Konzerten. Schaut einfach mal auf deren Homepage vorbei. Sie sind gerade auf Deutschland Tour.

Langsam wurde es dunkel und kühler auf der Düne. Dem galt es entgegen zu wirken. Doch vorher verkündete Fabsi noch gute und schlechte Nachrichten. Leider schienen in diesem Jahr ein paar Besucher sich ordentlich daneben zu benehmen. Am Vortag mussten schon ein paar Vollidioten von den Dünen verjagt werden, die gelten nämlich als absolut Tabu. Ein Naturschutzgebiet eben und die Butterfahrt steht dafür, dass man auch im Einklang mit der Natur feiern kann, ohne dass am Ende des Tages alles versaut und zu gemüllt ist. Dazu gehört natürlich auch, dass alle mitmachen. Wer sich nicht daran hält fliegt gnadenlos raus und wird über Planke geschickt. Dazu kam noch, dass irgendwer es geschafft hat die Fahnen, die vorne am Anleger wehten zu entwenden. Dabei ist zwar der Insel Helgoland kein Schaden entstanden, die Fahnen sind dennoch weg. Die eigentlich gute Stimmung wurde durch diese Individuen doch schon ordentlich gedämpft. Die Butterfahrt ist ein Familientreffen. Gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen steht im Vordergrund, Kommerz wird nicht betrieben. Überschüssige Einnahmen fließen nicht in irgendeine Tasche sondern werden sinnvoll reinvestiert und für die Erhaltung der Insel eingesetzt. So war es schon immer und so soll es auch bleiben. Auch ein Grund warum es maximal 800 Tickets gibt. Aber auch gute Nachrichten wurden verkündet. Die Butterfahrt sammelt seit jeher Spenden für Robben und Hummer. In der Nordsee schwimmt eine Robbe namens Fabsi und die 4 Hummer namens Hey, Ho, Lets und Go wurden ebenfalls erfolgreich ausgewildert. Zudem hat der Verein Robben Poppen Neuss wieder 250 € mit ihrer Aktion Saufen für die Robben eingenommen und gespendet, Elvis Pummel spendete noch 50€ von seinem Merchandising und spontan kamen einige Leute an die Bühne um Fabsi noch schnell den einen oder anderen 10er in die Hand zu drücken. Und schwupps war wieder genügend Geld beisammen um die Patenschaft für eine weitere Robbe zu übernehmen. Beide Daumen hoch für den Einsatz der Butterfahrt!

Weiter ging es mit Musik. Mit guter Musik! Schwarz auf Weiß aus Bremen. Die Butterfahrt Urgesteine traten an um zu zeigen, dass sie es immer noch drauf haben. Und das haben sie. Sie beglückten uns mit tollem Ska lastigem Sound und vor allem auch der unmissverständlichen Message, dass wir keinen Bock auf Nazis haben. Tanzen, tanzen, tanzen, während eine gewaltige Schlechtwetterfront um die Insel herum zog und wir alle unbeschwert diese grandiose Band feierten! Ich jedenfalls bin sehr angetan von den Jungs. Manchmal erinnerten mich die Songs an die Broilers, nur dass Schwarz auf Weiß besser waren. Nach einiger Recherche habe ich alle 3 Alben für euch gefunden! „Supersprint“
„Jugendstil“
und
„Hurra,System!“

Ordentlich angeheizt war es Zeit für eine meiner Lieblingsbands. „Duncan Reid & the Big Heads“ standen auf dem Programm! Duncan Reid war früher bekannt für seine Zeit bei den „Boys“ und hat mit den Big Heads eine fantastische Band auf die Beine gestellt. Durchgestylter Pop mit je einer kräftige Prise Rock n Roll und Punkrock. Bei dieser Formation sieht man deutlich den Unterschied zu vielen anderen Bands. Hier weiß wirklich jeder einzelne Musiker wo es lang geht. Und das macht Spaß. Viel Spaß, soviel Spaß, dass die Gitarristin „Sophie K. Powers“ sich die Finger blutig spielte und ohne mit der Wimper zu zucken lachend ihre Show durchzog und ihre weiße Gitarre von oben bis unten voll blutete. Fabsi meinte dazu, dass er das in 30 Jahren nicht gesehen hatte. Was für eine Show! Das aktuelle Album „Little Big Head“ lohnt sich auf jeden Fall!

Als letztes kamen „Seas of Mirth“ auf die Bühne. Ein bunter Haufen piratenähnlicher Wesen aus Mittelengland. Cello, Akkordeon, Gitarre, Schlagzeug, Bass und diverse Percussioninstrumente. Party pur! Es ging in einer Tour rauf und runter. Schubsen, springen, schwitzen und der Kälte trotzen. Nach einer guten halben Stunde musste ich dann aber auch mal meinem Körper nachgeben und mich auf den Weg zum Anleger machen, wo schon eine recht große Gruppe Freibeuter auf die Fähre wartete. Auch hier waren wieder einige total Ausfälle dabei, die so betrunken waren, dass sie kaum noch stehen, geschweige denn reden konnten. Es soll ja Leute geben, die das witzig finden. Wer sich aber so wegschießt, braucht eigentlich auch nicht auf ein Konzert gehen. Die kriegen eh nix vom Festival mit außer dem Kater des Grauens am nächsten Tag. Ich trinke auch sehr gerne mal einen über den Durst. Aber selbstständig nach Hause gehen sollte noch drin sein. Das tut einem selber gut und allen anderen drum herum fällt man nicht so sehr auf den Wecker. Aber die Ordner der Butterfahrt hatten auch diesen Haufen super im Griff und alle sind sicher auf der Hauptinsel angekommen. Ein riesen Lob noch einmal an die großartige Crew und natürlich auch an die Mitarbeiter, der Dünenfähre. Ihr habt einen super Job gemacht!

Aber egal, ich will hier ja auch nicht rumseiern. Es war ein langer, sehr schöner Tag und ich freue mich auf heute Abend, wenn dir „3. Wahl“ und „Mad Sin“ die Planken zum Beben bringen.

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