Rock ’n‘ Roll Butterfahrt 9.0 – Tag 1

Ein Jahr ist das letzte Klassentreffen auf Helgoland her und es fühlt sich irgendwie so an, als wäre es gestern gewesen. Ich hatte mich doch gerade erst von den vielen Verrückten verabschiedet und nun sitze ich schon wieder auf dem Felsen und feiere eine Party, wie keine Andere.

Los ging es um Punkt 9 Uhr an den Landungsbrücken in Hamburg. Ab auf den Katamaran mit einem hübschen Haufen Butterfahrer, einigen Pauschaltouristen und einem gewissen Michael Kessler, der mit der ARD unterwegs war um seinen Mops auf einigen Inseln auszuführen. Dass er uns Piraten dabei in die Arme laufen würde, stand mit Sicherheit nicht im Drehbuch. Jedenfalls war es sehenswert zu sehen, was passiert wenn Comedy Prominenz auf die geballte Medienkompetenz der Punk Rock Elite trifft. Wir haben uns auf jeden Fall prächtig amüsiert. Später haben die Kollegen sich dann doch tatsächlich auf das Festivalgelände getraut und sahen ein wenig ungläubig, was zum Teufel auf der Düne von Helgoland abgeht.

Wie dem auch sei um kurz vor eins schnappte ich mir meinen viel zu schweren Koffer und machte mich so schnell es ging auf den Weg zur Düne. Am Anleger ging es nämlich schon wild zur Sache. „Saufen für die Robben“ war angesagt. Robben Poppen Neuss luden zum Spenden Umtrunk ein und Siggi von der Butterjugend hatte sein „Mighty Hallelujah Terzett“ mitgebracht um für die trinkfesten Piraten den Anleger zu rocken. Und sie hörten erst auf, als der letzte Tropfen Sprit eine durstige Kehle befeuchtet hatte. Am Ende haben wir unglaubliche 670,22 € gesammelt, welche einem Heuler zugute kommen werden, die auf den Namen „Hotte“ hören wird. Unser Pirat Hotte hat letztes Jahr leider seine letzte Reise angetreten und wird mit dieser Robbe einen wunderbaren, lieben Abschiedsgruß bekommen.

Noch am Anleger bekamen wir mitgeteilt, dass alle Camper ihre Zelte besser jetzt sofort aufstellen sollten, weil der gleißende Sonnenschein sich gleich in ein Unwetter verwandeln würde. Dem war dann auch so. Es schüttete, blitzdingste und donnerte ganz ordentlich weswegen der Soundcheck auf dem Festivalgelände ein wenig nach hinten verschoben werden musste. Der Regen hatte die Bühne ordentlich unter Wasser gesetzt.

Bevor es losgehen sollte wurde noch schnell das Dünenrestaurant gekapert, ein legger Labskaus weggefuttert und mit Siggi und seinen Kumpels noch ne Runde gesungen. Dann ging es schnell aufs Festival Gelände. Man sollte die „Helgoländer Karkfinken“ auf keinen Fall verpassen. Der Shanty Chor hat beinahe den selben Stellenwert, wie die „Mimmis“ und sind in diesem Jahr das 5. Mal mit dabei und freuen sich schon auf das nächste Jahr, wenn wir Jubiläum feiern. Der Anblick, wie Hunderte Piraten vor der Bühne stehen und sich schunkelnd in den Armen liegen und seelig „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins …“ grölen ist immer wieder großartig. Und es werden jedes Jahr mehr Menschen, die so früh den Weg auf die Düne finden.

„Blue Rockin'“ aus Berlin gaben dann den Startschuss für die lauteren Töne des Abends. Zu feinstem Rockabilly wirbelten heitere Piraten durch den Sand. Eine super coole Truppe hat der Fabsi sich da eingeladen. Ohne Rumpeln und ohne Schnörkel ging es mit Kontrabass, Gitarre und Schlagzeug in Richtung Abend.

Danach kam zum ersten Mal in der Butterfahrt-Geschichte eine Schweizer Formation auf die Bühne. Unser Bühnenmeister Plüschi selbst drosch fleißig auf das Schlagzeug ein und seine Kollegen knüppelten den Punkrock nur so in die Menge. Die Stimmung war bestens. Äußerst friedlich und das Wetter spielte dann auch noch mit. Außer ein paar kleinen Tröpfchen wurden wir vom Regen verschont. Wem zu kalt war, der konnte sich einen Glühwein holen oder sich einfach warm tanzen.

„Zaunpfahl“ waren die nächsten. Seit 20 Jahren gibt es diese Band nun schon und sie erfreuten uns mit ordentlichem Punkrock, bei dem zwar beim Gitarrensolo nur jeder dritte Ton ein Treffer war –  aber mal ehrlich, wer braucht schon Gitarrensoli wenn man doch was zu sagen hat? Sie waren auf jeden Fall sehr sehr spaßig und die Butterfahrer haben diesen Gig sehr gefeiert.

Es wurde Zeit für ein absolutes Highlight des Abends. „Sonny Vincent“, ein Urgestein der New Yorker Punk Rock Szene ließ es gewaltig Krachen. Total souverän und mit einer Coolness, die das Wetter schon beinahe warm erscheinen lies, rockte er die Bühne beinahe in Stücke. Alex, der Schlagzeuger von den „Mimmis“, half bei Sonny aus und hatte sichtlich Spaß hinter seiner Schießbude.

Zum Abschluss gaben sich dann endlich „Die Mimmis“ die Ehre um uns in den wohlverdienten Feierabend zu schicken. Neben dem mittlerweile beinahe obligatorischen Auftritt von „Ole Plogstedt“ beim Song „ACAB – All Cooks Are Bastards“ sollte der noch der komplette Vereinsvorstand nebst „MacPiet“ bei „Segeln“ die Bühne entern und mächtig feiern. Das dürfen sie auch, denn die Orga hat sich in diesem Jahr selbst übertroffen. Trotz ca. 200 Tickets, die dank eines Serverfehlers zu viel verkauft wurden läuft alles derartig Reibungslos, dass ich es kaum glauben kann. Die Butterfahrt wird immer erwachsener und bleibt frech, rotzig, DIY, arschkalt und einfach nur großartig.

Ich freue mich auf gleich. Denn der Piraten-5-Kampf wartet und die Sonne scheint!

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