RnRB: Seehundstation Norddeich: Heuler voraus!

Unser Besuch bei Hotte und Sandwalze in der Seehundstation Norddeich

Autor: Ramona

Als um vier Uhr irgendwas der Wecker klingelt, halten wir diesen Ausflug für eine ziemlich blöde Idee. Aber es hilft ja nichts: Raus aus den Federn und ab ins Auto. Schließlich wollen wir das nette Angebot nutzen, morgens in der leeren Ausstellung der Seehundstation Nationalpark-Haus zu fotografieren, bevor den Besuchern die Türen geöffnet werden.

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Überall Robben…

In Norddeich angekommen erwartet uns schon ein bekanntes Gesicht. Tim, der dieses Jahr das erste Kinderfest der Butterfahrt um einige lehrreiche Informationen und den Magen des als Seehund verkleideten Fabsi und einen Rollmops reicher gemacht hat, nimmt uns in Empfang. Er führt uns zielsicher zur Unterwasser-Sichtscheibe des Beckens, vor der man warm und trocken auf den Stufen eines kleinen Amphitheaters sitzen und den Seehunden beim Tauchen zuschauen kann.

Wir erfahren, dass das Wasser gerade tiefgrün ist, weil den Heulern zuliebe auf chemische Zusätze verzichtet wird. So kommt es, dass sich Algen breit machen, die den Besuchern die Sicht manchmal erschweren. Als wir anfangen zu fotografieren, versammeln sich die neugierigen Seehunde aber augenblicklich und drücken sich die Schnauzen an der Scheibe platt. Eine Absperrung verhindert glücklicherweise, dass meine Nase dasselbe Schicksal ereilt. Die Kleinen sind einfach wahnsinnig niedlich.

Vor dem Fenster zum Seehundbecken besteht die ernste Gefahr, dass man sich nicht mehr losreißen kann, um sich überhaupt die Ausstellung anzuschauen. Das wäre allerdings wirklich schade, denn es gibt hier noch wesentlich mehr zu entdecken. Zum Glück lernen wir Elke kennen, die seit zwei Jahren für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Seehundstation zuständig ist. Wer eine Patenschaft übernimmt, bekommt beispielsweise von ihr Post, wenn „sein“ Heuler angeschwemmt wurde. Im Tausch gegen einen Kaffee überreichen wir Elke erst einmal ein Exemplar des RnRB 8.0-Bildbandes, mit dem ihr die Patenschaft für die Sandwalze möglich gemacht habt. Während wir Mädels noch etwas plaudern und ich Elke meine Interview-Fragen stelle, darf Kevin bereits mit seiner Kamera bewaffnet Tim zum Wiegen der Heuler begleiten.

Die Ausstellung in der Seehundstation Nationalpark-Haus

Die gesamte Ausstellung in der Seehundstation ist sehr liebevoll und wunderbar interaktiv gestaltet. Und ganz offensichtlich lieben nicht nur Kinder die vielen Klappen und Knöpfe, die überall zum Mitmachen einladen, wie ich grinsend feststelle. Welche Seehundarten gibt es? Wie fühlt sich das Fell eines echten Seehundes an? Einmal Sehen und Hören wie ein Seehund? Hier ist das kein Problem.

Zahlreiche Monitore und Info-Tafeln, ein Audioguide-Gerät, das für schlappe 2 € an der Kasse entliehen werden kann, sowie moderne QR-Codes für das eigene Smartphone vermitteln jede Menge Wissen. Außerdem gibt es eine große Beamer-Wand, die sich auf fast magische Weise mit Gesten steuern lässt. Nur nicht von Kevin. Den mag die Technik ausnahmsweise mal nicht. Der Raum nebenan ist dem Leben im Wattboden gewidmet. Kinder krabbeln hier natürlich stilecht durch den Gang eines Köcherwurms in der Wand, während wir Großen leider die Tür nehmen müssen.

Fisch en masse

Absolutes Highlight bleiben aber natürlich die Fütterungen der Heuler jeweils um 11 Uhr und 15 Uhr. Das Fenster zur Futterküche ermöglicht zuvor schon einen Blick auf eimerweise Fisch. Wenn es dann endlich losgeht, ist schwer zu sagen, wer aufgeregter ist: Die hungrigen Heuler draußen oder die Kinder drinnen an den großzügigen Panoramascheiben.

Da wir heute besonders privilegiert sind, dürfen wir das Team in geliehenen, den Hygiene-Standards entsprechenden, dunkelgrünen Gummi-Clogs direkt an die Becken der Seehunde begleiten. Für diese Aufnahmen hat sich das frühe Aufstehen allemal gelohnt.

Fett und Faul

Welche der jungen Seehunde Hotte und Sandwalze sind, kann uns hier gerade niemand sagen. Dazu sehen sich die Tiere einfach zu ähnlich. Erst wenn die Gruppe in diesem Becken wieder mit dem Wiegen dran ist, lassen sie sich anhand ihrer Marken identifizieren. Wichtig ist uns eigentlich auch nur, dass es beiden gut geht. Schließlich war die Sandwalze ziemlich schmächtig als sie gefunden wurde. „Die Heuler, die wir aufnehmen, sind alle unterschiedlich groß und in unterschiedlich gutem oder schlechten Zustand,“ erklärt Tim. „Sandwalze war mit 8,6 kg zum Beispiel eines der kleinen Jungtiere, während Hotte mit seinen 12,9 kg schon ziemlich groß hier ankam. Allerdings sind die großen meist die Heuler, die man am schwierigsten selbstständig bekommt. Eure Sandwalze weiß, dass ihre Lage ernst ist und deshalb lernt sie schnell, selbstständig Fisch zu fressen. Mittlerweile verputzt sie zwei bis drei Kilo pro Tag. Den dicken Heulern geht es hingegen verhältnismäßig gut. Sie haben weniger Druck und das merken wir auch. Hotte ist fett und faul sozusagen.“

Auch wenn wir heute backstage überall dabei sein dürfen, machen uns sowohl Elke als auch Tim immer wieder klar, dass es sich bei den Seehunden in der Station um Wildtiere handelt, die sich möglichst wenig an den Menschen gewöhnen sollen. Und so niedlich die Heuler mit ihren großen Kulleraugen auch aussehen, im Umgang mit ihnen ist dennoch eine gute Portion Aufmerksamkeit geboten, denn die Kleinen haben spitze Zähne. Ohnehin läuft die Zeit, die Hotte und die Sandwalze in der Seehundstation verbringen, bald ab. Schon in kurzer Zeit, wenn sie ihr Auswilderungsgewicht von mindestens 25 Kilogramm erreicht haben und fit sind, werden die beiden für das Leben auf eigenen Flossen wieder in die Freiheit entlassen werden.

Auch für uns heißt es jetzt leider Abschied nehmen. Vor der Fahrt zurück nach Hamburg legen wir dank der spontanen Einladung von Tim und Elke aber noch einen Zwischenstopp am Waloseum ein, das zu Station gehört und circa zehn Auto-Minuten entfernt liegt.

Im Waloseum

Auch hier lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. In der Ausstellung, die ebenso interaktiv ist, wie in der Seehundstation, können Besucher beispielsweise in Erfahrung bringen, wie die Wale das Laufen verlernt haben. Im ersten Stock des Gebäudes laden wieder einmal zahlreiche Knöpfe vor allem junge Besucher dazu ein, die brütenden Bewohner des hohen Vogelfelsen und ihre Stimmen kennenzulernen. Butterfahrer treffen hier einige Vogelarten wieder, die sie von ihrer Lieblings-Insel kennen. Wer sich hingegen eher für die Tiefe interessiert, wird sich an den Aquarien im Erdgeschoss erfreuen. Das Zentrum der Ausstellung bildet schließlich das beeindruckende 15 Meter lange Skelett eines Pottwals, der 2003 auf Norderney gestrandet ist. Die Zeit sitzt uns mittlerweile leider ein wenig im Nacken und wir müssen aufbrechen. Unser Fazit: Wer selbst einmal vorbeikommen möchte, kann gut und gerne zwei Tage einplanen, um beide Häuser in Ruhe besuchen zu können.

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