Ton, Steine, Scherben in der Fabrik, Hamburg am 07.04.2014

Seit der Trennung der „Scherben“ 1985 ist viel passiert. Die Welt drehte sich weiter,  „Ton, Steine, Scherben“ waren als „Scherben Family“ ohne Lanrue an der Gitarre ab und an mal live zu sehen. Die diesjährige „Ding Ding Dang Dang Tour“ sollte ein wenig anders werden. R. P. S. Lanrue ist wieder an Bord! Da natürlich nicht alle ehemaligen Scherben reaktiviert werden können, haben sich die Ur-Scherben Funky K. Götzner und Kai Sichtermann Verstärkung geholt. Nicolo Rovera (Gitarre, Gesang), Ella Josephine Ebsen (Gitarre und Gesang), Maxime S.P. (Percussion, Schlagzeug), Lukas McNally (Piano), Elfie–Esther Steitz (Gesang) und AnayanA (Chorgesang, Percussion) ergänzen das Ensemble mit viel Liebe und Fingerspitzengefühl.
„Ton, Steine, Scherben“ waren nie eine Band, die mit durchchoreografierten Songs aufgefallen sind. Viel mehr experimentell, ruppig, manchmal unbequem. In den letzten Tagen habe ich mir die eine oder andere Liveaufnahme aus den frühen 80ern angehört. Das hat ordentlich gescheppert und war an allen Ecken und Enden irgendwie schief und krumm. Aber das gehörte dazu.
Das Konzert in der Fabrik war da ein wenig anders. Das Bandgefüge selbst war wesentlich enger. Die Songs die Gleichen, das Gefühl das gleiche, der Sound jedoch wesentlich dichter. In der Fabrik war es übrigens auch recht eng. Das Konzert war hervorragend besucht und es war auch genau der richtige Ort für die „Scherben“ um in Hamburg auf die Bühne zu gehen. Das Publikum war ordentlich gemischt. Was nicht weiter verwunderlich war, weil die „Scherben“ tatsächlich Generationen von Menschen mit ihrer Art gemeinsam Musik zu machen begeistern. Irgendwie ging es ihnen auch nie wirklich darum ein Produkt zu verkaufen, sondern in den Songs wirklich Gefühle zu vermitteln. Und das hat auch an diesem Abend ganz vorzüglich funktioniert. Mal bluesig, mal trashig, mal laut und mal leise.

Zugegeben, Rio Reiser hat natürlich gefehlt. Er ist auch nicht zu ersetzen. Das will auch keiner. Die Band, die an diesem Abend auf der Bühne stand brauchte ihn auch nicht zu ersetzen. Es ist eine Zusammenkunft, eine Party, ein Hoch auf die Musik. Keine Tränen über vergangene Zeiten sondern eine Feier im Hier und Jetzt. Denn die Texte, die uns Rio Reiser damals geschenkt hat, wurden großartig und liebevoll von den verschiedenen Sängern umgesetzt.
Ein Grund mehr, warum sie frenetisch gefeiert wurden. Das Publikum forderte und die Scherben lieferten. Insgesamt 4 mal kamen sie noch einmal auf die Bühne um Zugaben zu spielen.
Offensichtlich waren sie viel zu lange weg. Auch wenn die Welt sich weiter gedreht hat und die Musikszene sich stark verändert hat, die Scherben sind immer noch da und spielen als wäre nie etwas gewesen.
Von mir aus können sie auch noch öfter wieder kommen, wenn es ihnen wieder mal unter den Fingern juckt. Denn wenn das nicht der Fall, funktionieren die Scherben auch nicht mehr.

 

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